Sonntag, 26. Mai 2019

Eine spektakuläre Vorstellung in der Zirkusarena!

Ein Post von Birgit Kolb

„Bleib weg von denen – die sind anders als wir.“ Ich kann mich noch gut an meine Jugendzeit erinnern, als kleine Wanderzirkusse noch häufig in meiner Gemeinde gastierten. Sie wurden häufig von Bevölkerungsgruppierten Minderheiten, der Romas, betrieben. Den Zirkusvorstellungen zuschauen, ja das durfte ich schon. Aber ansonsten warnten meine Eltern mich vor diesen Pferdeartisten, Löwenbändigern und schillernde Gestalten. Ich habe das damals nicht verstanden, denn ich konnte mit diesen Leuten in Kontakt treten. Die waren doch ganz normal: lachen gemeinsam, essen gemeinsam und leben zusammen. Als Kind fand ich es sogar cool, weil sie jeden Tag zusammen sein konnten - sogar mit ihren Pferden! Die Kinder gingen selten zur Schule und schliefen in Wohnwagen – was für ein Abenteuerland. Im Gegensatz zu meiner Familie. Meine Eltern hatten ein Haus, waren berufstätig, hatten wenig Zeit für mich und lebten brav nach erlernten preußischen Tugenden. Und zu allem Überfluss musste ich täglich in die Schule. Und, dass wohl allerschlimmste - ich durfte kein Pferd haben. Zu teuer, war das Argument meiner Eltern.


Abenteuerromatik versus Generationenarmut 

Meine kindliche Idylle und Abenteuerromantik von der bunten Zirkuswelt haben sich in eine trostlose Klarheit verwandelt. Heute weiß ich, dass es Menschen bzw. ganze Völker gibt, die häufig aufgrund ihrer Armut verurteilt, gemieden und somit von der Gesellschaft ausgegrenzt werden. In der Regel über Generationen hinweg. Besonders wir Deutschen haben jedoch gelernt, dass Bildung ein zentraler Aspekt darstellt, für den Weg: „raus aus der Armuts- und Ausgrenzungsfalle“. Wir haben aber andererseits auch gelernt, dass es viele Hürden gibt für eine soziale Einbeziehung bisher ausgeschlossener Menschen oder Gruppen. Vor allem, das zeigt die Erfahrung, braucht es Befürworter und Förderer für einen Eingliederungsprozess. Aufgrund ihres Förderungszieles für soziale Projekte, bin ich daher ganz begeistert von der "SozialMarie". Sie ist ein österreichischer Preis, der für soziale Projekte verliehen wird und mit einem Geldpreis verbunden ist. Seit 2010 heißt er Preis für soziale Innovation.

Montag, 20. Mai 2019

Wartet ab, wie schnell die Zeit vergeht


„Macht euch nicht so viel Stress. Genießt es.“

Das waren die Sätze, die die höheren Semester mehr als einmal zu uns gesagt haben. Und ja – sie hatten Recht. Jetzt sind wir tatsächlich mit drei Jahren Studium fertig. Drei Jahre Sozialmanagement im dualen System. Über diese Zeit kann man so viel erzählen und so viel berichten. Herr Batz sagte in der letzten Vorlesung zu uns, dass er sich noch an die ersten Vorlesungen erinnern kann. Er sieht die „Kinder“ (Scherz) noch vor Augen und hat sich nun von erwachsen gewordenen verabschiedet.
Ein bisschen Wehmut schwingt bereits jetzt in den Köpfen mit. Wir werden als Sechstsemester, als alte Hasen, unsere Zeit nochmal Revue passieren und euch im Rahmen dieses Blogs daran teilhaben lassen.

Sonntag, 5. Mai 2019

Soziale Innovationen in der Sozialwirtschaft

Ein Fachbeitrag von Prof. Dr. Michael Batz

Wenn von Innovationen die Rede ist, denken die meisten Menschen wohl zunächst an neue technische Produkte oder neue Dienstleistungen, wie vielleicht die neueste Generation von Smartphones, selbstfahrende Autos oder sprachgesteuerte Assistenzsysteme. Die Sozialwirtschaft ist dagegen eine Branche, die nicht unbedingt für ihre Innovationen bekannt ist. Zu Recht?

Was ist eine Innovation?

Eine einheitliche, allgemein anerkannte Definition für den Begriff der „Innovation“ existiert nicht. Weitgehend übereinstimmend werden aber zumindest in den Bereichen Wirtschaft und Technik zwei Merkmale des Innovationsbegriffs hervorgehoben. Bei dem ersten Merkmal handelt es sich um die sog. „Invention“, was soviel wie „Erfindung“ bedeutet, und darauf verweist, dass am Anfang einer Innovation meist eine Idee steht, die durch Forschung und Entwicklung oder Ausarbeitung in Form einer Konzeption in ein neuartiges Produkt oder eine neuartige Dienstleistung überführt werden konnte. Bei dem zweiten Merkmal handelt es sich um die sog. „Diffusion“, womit die Akzeptanz des neuen Produktes oder der neuen Dienstleistung am Markt bzw. der „Markterfolg“ gemeint ist. Eine kreative Idee an sich stellt daher eben so wenig eine Innovation dar, wie ein neuartiges Produkt oder eine neuartige Dienstleistung, das bzw. die niemand haben will.